taste. Bloggertreffen NINE SPRINGS 2019

Am Wochenende ging es für mich auf die Burg Scharfenstein im thüringischen Leinefeld-Worbis, zum Blogger- und Vloggertreffen! Ich habe viele tolle Leute (endlich mal persönlich) kennen gelernt und eine ganze Menge gelernt, aber seht selbst! 🙂

P.S. Zur exklusiven Abfüllung für das Event kommt natürlich zeitnah auch ein Video! 🙂

Und hier findet ihr meinen Vlog von dem Event:

Da es ja ein Bloggertreffen war bin ich natürlich nicht die Einzige die etwas zu erzählen hat …

✏️ Whisky im Netz: Großes Premiere-Treffen der Whisky-Blogger in der Whisky-Erlebniswelt auf Burg Scharfenstein

✏️ Vor Ort: Burg Scharfenstein / The Nine Springs

 

🎬 Blogger & Vlogger Treffen am 18. Mai 2019 – Whiskywelt Burg Scharfenstein / Thüringen

 

🎬Thorsten (Die Tasters) & Andreas (Whisky & Vinyl) verkosten BOOKER’S Bourbon Whisky

🎬 Ileach Cask Strength – Whisky Review #61 – Islay Single Malt Whisky

 

✏️1 Wochenende, 9 Springs, 30 Maltheads

 

✏️Blogger- und Vlogger-Treffen in der Whiskywelt auf Burg Scharfenstein bei The Nine Springs

 

✏️nine springs Whiskywelt auf der Burg Scharfenstein in Thüringen

 

🎬Glendronach 15yo Tawny Port Finish mit Whiskybabbler und Whisky Evening

 

🎬

Die Taster: Blogger und Vloger treffen auf der Whiskywelt mit André

 

 

 

🥃 Wer war dabei? 🥃

WhiskyJason: http://youtube.com/whiskyjason

Tim testet Whisky: https://www.youtube.com/channel/UCr7i69iXzuDcHEK3e7vPltQ

Whisky & Pfeife: http://www.whiskyundpfeife.de

Die Taster: https://www.youtube.com/channel/UCPEp-3GxCGqIj-9dgZbpFZA

Malte talks Malts: https://www.youtube.com/channel/UCj6KmQE1WFNEtmLF5qrVC0g

Whiskybabbler: https://www.youtube.com/whiskybabbler

Whisky & Vinyl: https://www.youtube.com/whiskyvinyl

Whiskygraphie: https://www.facebook.com/whiskygraphie

Talking about Whisky: https://www.facebook.com/talkingaboutwhisky/

Whisky-Dodo: https://www.youtube.com/channel/UCbKJE2NcgxqPOLrtM3h-6JQ

Drams United: http://www.dramsunited.blogspot.de

Whisky Evening: https://www.youtube.com/channel/UCiHLcy2yc6_JAVKvfAOUt3w

Barrels & Casks: http://www.barrelsandcasks.de

Malthead: malthead.org

Whiskyllerie: https://www.youtube.com/channel/UCIt6D5u12YHCtkLBlbG2FPg?view_as=subscriber

Whisky und Frauen: http://whiskyundfrauen.blogspot.com/

Whisky Violence: https://www.youtube.com/user/Lemmmmmmmy

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taste. Whiskybus

Letzten Freitag ging es für mich mal wieder auf ein Event der ganz besonderen Art. ich durfte bei Jens, René und Ulf im Whiskybus  mitfahren!

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taste. Whiskyfestival Radebeul 2019

Am letzten Samstag im März ging’s für mich wieder zum Whiskyfestival in Radebeul. Das kleine Event im Hotel Goldener Anker war meine erste je besuchte Whiskymesse und jährte sich in diesem Jahr schon zum 10. Mal – herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an das tolle Team der Schmiede Radebeul die Jahr um Jahr eine tolle Veranstaltung in Altkötzschenbroda zaubern.

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taste. NEU gegen ALT

Früher war alles besser! … Ich denke diesen Satz kennt jeder, auch im Zusammenhang mit Whisky. Vor allem mir ist das schon öfter passiert. Ich trinke noch nicht sehr lange Whisky und unterhalte ich mich dann mit einem Urgestein/ Experten, höre ich ganz oft – also früher hat der besser geschmeckt. Letztes Wochenende hatte ich dann endlich auch die Chance: Ein direkter Vergleich zwischen Neu und Alt. Hier kommt der Test … war früher wirklich alles besser? 😉

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taste.Whiskymesse Trebsen

Am vergangenen Wochenende bin ich spontan mit meiner Familie nach Trebsen gefahren. Trebsen? Das ist ein kleiner Ort bei Grimma, in der Nähe von Leipzig. Gar nicht so leicht zu erreichen sag ich euch. Aber es hat sich gelohnt. Einige werden den Namen der Stadt durch die alljährlich dort stattfindenden Highland Games kennen. Aber Trebsen hat auch noch eine andere Veranstaltung – die Whiskymesse. Und genau die haben wir besucht!

 

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Es war ein wunderschöner, sonniger Tag. Wir sind ganz entspannt zur Mittagszeit angereist und dann ging es auch schon los. Die Messe-Location hätte nicht besser sein können. Eine historische Ritterburg! Ich war schon von draußen hin und weg. Ein bisschen weg-gehauen (entschuldigt das Wortspiel ;D) hat es mich dann auch gleich am Eingang. Mit 14 Euro pro Person war der Eintritt dann doch ein wenig teurer als bei anderen Messen. Trotzdem, zu teuer war es nicht (ich muss ja aber irgendwas zum rummeckern finden, damit es authentisch bleibt, wa?).

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Also ging es gleich rein ins Schloss, die Gläser schon bereit. Wir wollten erstmal eine kleine Runde gehen, uns einen Überblick verschaffen. Ganz gelungen ist uns das mit dem Überblick nicht. So viele kleine Räume, Gänge und Türen, unter denen ich mich sogar teilweise durch bücken musste – passender ging’s nicht. Ich war total begeistert. Das Schloss ist super schön historisch eingerichtet, die Stände waren gut in den verschiedenen Räumen verteilt. Es war immer genug Platz vor den Tischen und dennoch nie total leer. Das Publikum war zudem sehr angenehm, alles nette und freundliche Leute, alle waren gut drauf und trotzdem gab es keine “Sauftouris”.

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Man konnte durch die Gänge und Hallen der Burg wie in einem Kreis laufen, oben im Rittersaal gab es zudem eine Bar, Musik und einen großen Tisch. Allgemein gab es in jedem Raum Tische, Stühle und Fensternischen, in die man sich zurückziehen und quatschen oder in Ruhe seinen Dram genießen konnte.

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Im Keller der Burg war ein Raucherzimmer eingerichtet, in dem nebst Whisky auch Zigarren verkauft wurden. Dort unten stand auch ein historischer Barbier bereit, hat seine Waren angepriesen und eine klassische Rasur durchgeführt. Das war ziemlich cool, auch wenn ich den Gedanken an Sweeney Todd nicht ganz verdrängen konnte ;D

Natürlich habe ich auch den ein oder anderen neuen Whisky für mich entdecken können. Oben im Rittersaal hatte ich bei Whisky & Art die Gelegenheit Limeburners zu probieren. Noch nie gehört? Kein Wunder! Den gibt es ja auch noch nicht zu kaufen. West-Australischer Whisky, persönlich vom Brennmeister eingeschenkt zu bekommen ist schon etwas besonderes – und wenn der Dram dann auch noch mundet ist alles perfekt. Es gab sogar einen getorften Whisky, den Limeburners Darkest Winter. Meine ganz persönliche Empfehlung, richtig lecker, irgendwie organisch – Scotchy und trotzdem anders als Scotch :D. Natürlich sind die angesetzten Flaschenpreise mit 180€ weit über meinem Budget, aber dafür sind doch Messen da oder nicht?

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Weiter ging es mit einem unabhängig abgefüllten Ardbeg von The Maltman bei Odin’s Whiskyboden für mich, ganz leckerer Whisky. Dort habe ich auch eine wunderschön gefertigte Fassdaube erstanden.

Außerdem konnte ich den neun Jahre alten Lagavulin aus der Game of Thrones Serie von Diageo probieren, das Haus Lannister. Hm … Entsprach meinem bisherigen Eindruck von Lagavulin. Qualitativ guter Whisky, aber mir fehlt dieses gewisse Etwas, leider. Bisher. Falls ihr einen außergewöhnlichen Lagavulin habt, den ich unbedingt probieren sollte – her damit! 🙂

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Zwischen all den guten und sehr guten Drams muss aber natürlich auch eine Pause eingelegt werden. Zum Essen gab es eine gute Auswahl, vom Grillstand im Burghof für den schnellen Hunger, bis zum feinen (und sehr leckeren!) Schlossrestaurant.

Nach dem Essen kam nochmal ein absoluter Burner. Deutscher Whisky vom Bodensee – Brigantia Einzelfassabfüllung von Steinhauser. Die totale Sherry-Bombe. Breit, trocken, unglaublich einnehmend und pompös im Geschmack. Der hat einfach total in die Gewölbe des Schloss Trebsen gepasst! Zum Abschluss gab es für mich dann noch einen Balvenie für unterwegs (eigentlich wollte ich einen Ailsa Bay trinken, den hatte Petra am Baccardi Stand aber kurz vorher ausgeschenkt … mist :D). Ich war äußerst positiv überrascht, ein rauchiger Balvenie, und gar nicht mal so unsanft. Das hat mir sehr gefallen und mich auf die Idee gebracht, dieser Brennerei mal eine ganze Woche zu widmen, am 07.02. geht’s los – dank Manfred und dem Sample Set das er an mich verschickt hat!

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Alles in allem ist die Messe richtig schön gewesen und steht ab jetzt definitiv im Kalender. Ich kann sie aus meiner Sicht nur wärmsten empfehlen. Eine kleine, aber feine Messe im perfekten Ambiente.

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taste. Brennerei Henrich

Letztes Jahr auf der Whisky und Genuss Messe Dresden 2018 habe ich einen für mich ganz besonderen deutschen Whisky entdeckt – Gilors peated! Ein deutscher Single Malt, gefertigt aus schottischem, getorften Malz. Ich war sofort hin und weg von dem guten Tropfen und Dank Petra Milde vom Verband deutscher Whiskybrenner habe ich Kontakt zu dessen Schöpfern bekommen. Und die möchte ich euch heute vorstellen – die Henrichs! Ich habe mit Ralf gesprochen und er hat mir ein bisschen was zur Geschichte und Entwicklung des Familienbetriebs erzählt …

img_2454Angefangen haben die Henrichs als Obstbauern. Bereits 1970 haben Sie die Gemarkung “Am Berg” am Ortsrand von Kriftel besiedelt. Josef und Anni Henrich haben klein angefangen, mit nur sechs Hektar Land haben sie den Obstbaubetrieb Henrich aufgebaut. Bereits seit 1983 liegt der Familie ein Brennrecht vor, in den 90er Jahren hat Sohn Horst dann den Betrieb seiner Eltern übernommen. Seit dem wächst das Familienunternehmen stetig, inzwischen gehören mehr als 15 Hektar Land dazu.

Mein Bruder und ich haben schon früh im Betrieb mit geholfen und so kam es, dass wir uns eher mehr für Saft, Wein und Obstbrände interessiert haben als dem Obstbau.

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Holger und Ralf Henrich. Foto: http://www.brennerei-henrich.de

Die Brüder Ralf und Holger sind mit dem Familienbetrieb aufgewachsen, es ist also nicht verwunderlich, dass beide als studierte Getränketechnologen den Betrieb im Jahr 2004 zusammen übernommen haben. Gemeinsam beschlossen sie die Brennerei auszubauen und neue Sachen zu probieren. Mit dem Whisky ging es dann 2008 los – mit zwei kleinen 50 Liter Fässern. Im Jahr darauf lagerten die beiden schon vier Mal so viel Spirit ein. Inzwischen verfügt die Brennerei Henrich über etwa 160 Fässer im Whiskylager in allen Größen von 100 Liter bis 500 Liter. Dennoch bleiben die Henrichs dem Obst tief verwurzelt. Nebst Gilors Single Malt Whisky gibt es natürlich klassische Obstbrände, aber auch Rum und Gin.

Wir haben es geschafft, den früheren Obstbaubetrieb mit ein bisschen Brennerei in eine Brennerei mit ein bisschen Obstbau um zu drehen und unser Portfolio von den klassischen Obstbränden und Holzfass gelagerten Obstbränden mit Whisky, Rum und Gin zu erweitern. Auch ein paar sehr leckere Apfelweinkombinationen haben wir im Programm, da hier immer noch mein Winzerherz schlägt und auch diese Produkte mir sehr viel Spaß machen zu kreieren.

img_24482012 kam die erste Auflage von Gilors auf den Markt. Seitdem folgt eine Auszeichnung auf die Andere: Verschiedene Obstbrände werden als “Edelbrand des Jahres” ausgezeichnet, 2013 gewinnen die Henrichs die Bronzemedaille Destillata als “Brenner des Jahres”. Im Folgejahr wird das Gilors Islay Cask Finish zum “Whisky des Jahres” gekürt.

Doch bleiben wir beim Whisky. Mit Gilors (gälisch: „goldenes Wasser”) gehen die Henrichs ihren eigenen Weg, neue Rezepturen und Malz-Mischungen zeugen von Mut zum Experiment. Aktuell werden fünf verschiedene Gersten-Malzsorten genutzt, eine stammt dabei direkt aus Schottland. Der Whisky ist zu 99% aus einer Hand: außer das Malz als Rohware machen Henrichs alles selbst, egal ob maischen, destillieren, lagern, abfüllen oder etikettieren.

Wir verwenden aktuell hauptsächlich verschiedene Sherry und Portwein Fässer, wobei es hier immer schwerer wird gute Fässer zu bekommen. Wir haben aber auch Madeira, Marsala, Rum, Bourbon und Islayfässer gefüllt und werden noch andere ausprobieren in Zukunft.

Als kleine Whisky-Manufaktur wird es von Gilors wohl eher keine Standard-Range geben, jedoch hat die Brennerei die Möglichkeit mit vielen unterschiedlichen Einzelabfüllungen alle Facetten ihres NewMakes zu präsentieren. Momentan sind bei Henrichs folgende Gilors Single Malts erhältlich: Gilors Sherry, PX Sherry, Portwein und peated.

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img_2454Für den PX Sherry Finish wurde eine Gerstenmalzmischung aus vier unterschiedlichen Malzsorten verwendet. Das ganze wurde im Roh und Feinbrand-Verfahren ohne Verstärkerkolonne zweifach destilliert und im März 2011 ins Fass gefüllt. Die ersten drei Jahre lagerte der Spirit in 250er ex-Islay Fässern, anschließend noch einmal vier Jahre in 500er PX Sherry Fässern, in denen vorher ein 12 Jahre alter PX reifte. Abgefüllt wurden bei 43% vol. 207 Flaschen zu einem Preis von 60 Euro.

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Zunächst hatte ich eine angenehme Wald-Zirben-Holz Note in der Nase. Diese mischte sich mit der Zeit mit helleren Früchten und einer gewissen Süße. Mit der Zeit wurde der Whisky immer schokoladiger.

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img_2442Das Portwein Finish wurde ebenfalls mit der Gerstenmalzmischung aus vier unterschiedlichen Malzsorten hergestellt. Zweifach destilliert im Juli 2013 lagerte der Whisky zwei Jahre im ex-Islay Fass und anschließend drei jahre im 225er Ruby Portwein Fass. Abgefüllt wurde im Oktober 2018 mit 45% vol. in 276 Flaschen. Eine kostet etwa 50 Euro.

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Dieser Whisky ist wesentlich trockener, roter und weinartiger als der PX Sherry. Ihm fehlt die Süße, er macht dies aber mit sehr runden und angenehmen Noten von frisch geschnittenem Holz wett.

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img_2427Der Gilors peated ist mein Favorit. Ein aus mit 40 ppm getorften schottischen Malz destillierter Whisky, der ein Jahr im neuen Eichenfass und vier Jahre im ex-Bourbon Fass gelagert hat. Im März 2018 wurden 336 Flaschen mit 42% vol. abgefüllt und den ganzen Spaß gibt es ab 60 Euro.

Der Rauch ist zunächst nur hintergründig wahrnehmbar, voran steht eine kräftige, fast harzige Holz-Note. Erst beim trinken offenbart sich der kräutrige und frische Rauchanteil mit dem für getorften Scotch so typischen heranrollen.

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Änderungen, Irrtümer und Schreibfehler vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit. Freiwillig eingefügte Werbung, da Namensnennung.

 

taste. Masterclass – The Art of Blending

Letztens durfte ich einem Masterclass Workshop im Whisky & Genuss Dresden beiwohnen. Master of Whisky Germany & Austria und Keeper of the Quaich Thomas Plaue von Diageo Reserve hat uns ein bisschen die Kunst des Blendings näher gebracht.

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Masterclass mit Thomas Plaue

Ich muss zugeben, ich war anfangs sehr skeptisch Blends gegenüber. Sie hatten für mich dieses klassische Billig-Whisky Image, auch wenn es durchaus Blends mit sehr hohen Preisen gibt. Ich dachte immer, wieso sollte ich Single Malt zusammenschütten, wenn er doch so sehr gut schmeckt?

Doch was ist Blending jetzt eigentlich?

Also im Prinzip ist es wirklich so, verschiedene Whisky werden zusammengewürfelt. Aber nicht einfach so, es ist eine wirkliche Wissenschaft. Einen Blend zu kreieren ist einfach, das schwierige ist ihn nachzubauen. Grundlage ist Single Grain. Dazu kommen verschiedene Malts als Geschmackskomponenten dazu. Das macht den Whisky gefällig, rund im Geschmack und einfacher als manchen Single Malt. Wir haben das ganze mal am Beispiel von Johnnie Walker Gold Label Reserve analysiert.

Johnnie Walker Gold Label Reserve

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Johnnie Walker Gold Label Reserve

Wie bereits angesprochen ist es schwer einen einmal geschaffenen Blend exakt zu reproduzieren. Selbst wenn man sich die Zusammensetzung Milliliter genau notiert – nur eine sehr sehr feine Nase kann es schaffen den Whisky mit seinen über 200 Aromen nachzubauen. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass Masterblender Dr. Jim Beveridge über 50 Jahre Berufserfahrung hat – und sich sein Nachfolger bereits seit zehn Jahren in Ausbildung bei ihm befindet. Der Gold Label Reserve beinhaltet über 20 verschiedene Single Malts, die Lead Whiskys sind neben Haig Club als Single Grain Basis vor allem Clynelish, Caol Ila, Blair Atholl, Cardhu und Cameron Bridge.

Der Gold Label ist übrigens nach dem Quellfluss der Clynelish Distillery benannt, dort wurde früher nach Goldvorkommen gesucht.

Was mich in diesem Workshop wirklich beeindruckt hat, war wie intensiv wir uns mit dem Thema Geruch und Geschmack auseinandergesetzt haben. Noch mehr, zum Sehen, Riechen und Schmecken gehört auch das Fühlen und Hören von Whisky. Gut letzteres mag nicht jedem gelingen (obwohl auch das klappern der Gläser und das ploppen des Korkens meiner Meinung nach einen Einfluss auf unsere Vorfreude hat), aber vor allem das Fühlen ist eine sehr wichtige und oft ignorierte Komponente. Whisky kann warm sein, kalt, ölig, trocken oder scharf.

Genauso der Gold Label Reserve. Sehr ölig und cremig, vor allem am Ende hatte ich das Gefühl ein Stück Butter Toffee auf der Zunge zu haben, doch fange ich am Anfang an. Zunächst ist der Blend auf den ersten Schluck sehr mild und einfach, wie er ja auch grundlegend gedacht ist. Konzentriert man sich ein wenig mehr auf die einzelnen Aromen stellt man schnell fest, dass hier ein bisschen mehr am Werk ist: Zunächst hatte ich Orangen, Holz, eine gewisse Frische, schweren trockenen Honig, etwas herbes, etwas trockenes. Gräbt man etwas tiefer, finden sich salzige und aschige, rauchige Noten, etwas scharfes, fleischiges, Malz und saurer Apfel.

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Tasting Note Johnnie Walker Gold Label Reserve

Wow ziemlich viele Gesichter, schaut man einmal etwas hinter die Fassade. Wir haben uns dann die einzelnen Lead Whiskys einmal genauer angesehen.

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Bereit den Johnnie Walker auseinander zunehmen 😉

Haig Club Grain Whisky 

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Haig Club Single Grain Scotch Whisky

Der Haig Club Grain Whisky ist die Grundlage für Johnnie Walker Gold Label Reserve. Gelagert in first, refill und rejuvenated american oak barrels hat mich der intensive, süße und sahnige Geschmack überrascht. Der Grain ist nicht ganz günstig, was aber durchaus auch an David Beckham liegen könnte. Der Haig Club ist in Zusammenarbeit mit ihm entstanden.

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Tasting Note Haig Club Single Grain Scotch Whisky

Glenkinchie 12 yo. 

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Glenkinchie 12 yo.

Der Glenkinchie 12 yo. hat mich total überrascht. Ich hatte sofort sächsischen Sauerbraten im Kopf, rote Soße, Rotkraut mit Apfel und Rosinen. Ein rundum würziger, herzhafter und kräftiger Whisky.

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Tasting Note Glenkinchie 12 ayo.

Cardhu 12 yo. 

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Cardhu 12 yo.

Cardhu war die erste Single Malt Brennerei die John Walker gekauft hat. Über Cardhu habe ich ja schon einmal ein Video gemacht, der 12 yo. ist dem 15 Jahre alten sehr ähnlich, dennoch ist er etwas herber, malziger und weniger süß.

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Tasting Note Cardhu 12 yo.

Clynelish 12 yo. 

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Clynelish 14 yo.

Clynelish ist der Lead Malt im Johnnie Walker Gold Label Reserve, ein floraler, kräftig süß und fruchtiger Whisky mit großen mineralischen und maritimen Einflüssen. Die Clynelish Brennerei konnte ich in meiner Zeit in Schottland besuchen, sie steht in Brora und ist definitiv einen Besuch wert.

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Tasting Note Clynelish 14 yo.

Caol Ila Moch 

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Caol Ila Moch

Auf den letzten Single Malt in der Reihe habe ich mich besonders gefreut. Caol Ila gefällt mir persönlich sehr gut. Salzig, fleischig, aschig und trotzdem fruchtige Zitrone. Genau mein Ding, so auch der Moch – was übrigens so viel wie die ersten Sonnenstrahlen heißt.

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Tasting Note Caol Ila Moch

Wir haben also die wichtigsten Einzelteile des Johnnie Walker auseinander genommen. Im Nachhinein probiert konnte ich die einzelnen Facetten noch deutlicher herausschmecken. Generell ist zu sagen, je günstiger ein Blend, umso weniger einzelne Malts und mehr Grain Whisky sind enthalten. Der Johnnie Walker Gold Label ist mit seinen knapp 40€ nicht der günstigste, aber in einem Top Preis-Leistungsverhältnis. Ich kann den guten Gewissens jedem Malthead empfehlen, der mal über den Tellerrand schielen mag!

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Die Range des Abends 🙂

Und dann kam das Highlight des Abends – wir durften unseren eigenen Blend kreieren. Einige haben versucht den Gold Label nachzubauen, natürlich kein einfaches unterfangen. Ich habe es mir absichtlich leichter gemacht und einen neuen Blend kreiert. Natürlich mit rauchigen Touch, zusammengesetzt aus einem Drittel Haig Club Grain Whisky, drei Millilitern Glenkinchie, je zwei Millilitern Clynelish und Cardhu und einem Milliliter Caol Ila. Yummi 😉

 

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Mein erster eigener Blend – genau nach meinem Geschmack 😉
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taste. Kilchoman Deutschland Tour 2018

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Es geht looooooos! 🙂

Am 20. Oktober war es endlich soweit – Kilchoman kam auf seiner Europa Tour auch bei uns in Dresden vorbei. Ich war schon ganz aufgeregt, hatte ich doch ein Auge auf diese junge und innovative Brennerei geworfen und nun endlich die Chance mehr Abfüllungen kennen zu lernen 😉

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Kilchoman Old Fashioned
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Kilchoman Old Fashioned

Nun pünktlich 16.30 Uhr ging es los – mit einer Kilchoman-Variation des Old Fashioned. Auch wenn ich eigentlich kein Fan von Bitter-Cocktails bin, diese smoked Variante hat mir doch ganz gut gefallen.

 

 

Nach dieser kleinen Aufwärmübung ging es schon zur nächsten Station. Dietmar Schulz von Alba Import hat persönlich ausgeschenkt. Los ging es bei mir mit einem 100% Islay. Ein leckerer Tropfen, vor allem aber aufgrund seiner Herstellung spannend. Kilchoman ist die erste Brennerei die gleichzeitig auch eine Farm ist. Das Getreide wird komplett selbst angebaut, geerntet und zu Whisky weiterverarbeitet. Das macht jeden Dram zu etwas sehr besonderem wie ich finde.

Danach ging es weiter mit zwei Food Pairings, Kilchoman Machir Bay, gelagert im Bourbon und sherry cask, mit Highland Scottish Cheese und der Sanaig, ein Kilchoman im Bourbon und Oloroso Sherry Fass gefinished, gepaart mit Choco Artisan Edinburgh Chocolate.

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Die Abfüllungen die Kilchoman mitgebracht hat 🙂

Ich muss sagen ich bin immer wieder überrascht wie fruchtig dieser peated Whisky daher kommt. Selbst rein in ex-bourbon casks gelagerte Abfüllungen haben eine unbeschreibliche süße Note von frischem Obst, Birne, Apfel, Pflaume.

 

Beim Sanaig kam verstärkt Fruchtsäure durch und er hat mich vom Geschmack schon sehr an einen guten Pesterwitzer Bacchus erinnert – ein Wein der quasi “hinter meinem Haus” angebaut wird und sehr sehr lecker ist 😉

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Roy, Rico und Peter eröffnen den Abend.

Der nächste war ebenfalls sehr interessant, die neue Spezialabfüllung Kilchoman Sauternes – gereift seit 2012 in ex-bourbon barrels und fünf Monate in Sauternes Weißwein Fässern gefinished.

Das Machir Bay Tour Bottling aus diesem Jahr hat mir so gefallen, den habe ich gleich gekauft 🙂 Und den Likör habe ich natürlich schon längst daheim.

 

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Der Defender *-*

Der Loch Gorm war mein letzter Dram. Das ist ein rein im Oloroso Sherry Fass gefinishter Whisky, dennoch hat das europäische Eichenfass einen scharfen und würzigen Ton mit abgegeben, der perfekt zu dem dunklen, rauchigen Charakter des Loch Gorm passt.

Das ganze Event wurde musikalisch von den Dresden Bagpipes untermalt. Insgesamt ein sehr schöner Abend mit vielen Möglichkeiten sich untereinander auszutauschen. Diese Art offenes Tasting hat mir sehr gefallen, konnte man doch in gute Gespräche untereinander kommen. Kilchoman hat mir schon vorher gefallen, aber jetzt bin ich total vernarrt!

 

taste. Bain’s & Deanston Tasting

… mit Andy Watts (Bain’s) und Scott Martin (Deanston) im Whisky und Genuss in Dresden

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Eine tolle Crew an diesem Abend! 🙂

Bain’s 

 

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Bain’s Single Grain Whisky

Die James Sedgwick Distillery war die erste Whiskybrennerei in Südafrika. Gegründet 1886 ist die Brennerei heute in der Hand des erst sechsten Managers. Das zeigt, wie viel langjährige Erfahrung die Köpfe der Brennerei mitbringen um ihren Whisky zu kreieren. Schon James Sedgwick war ein wahrer Pionier seiner Zeit, produzierte er in seiner Brennerei doch gleichzeitig Single Malt und Single Grain.

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Ich bin immer bereit meine Eindrücke für euch festzuhalten 😉

Aktuell wird die Brennerei von Andy Watts geführt. Früher Profi-Cricket-Spieler – heute preisgekrönter Master Distiller. Der gebürtige Brite führt die Brennerei nun schon seit 1991 und hat die Industrie mit seinen unkonventionellen und innovativen Ideen nachhaltig beeinflusst.

Bain’s Single Grain Whisky ist der erste seiner Art in Südafrika und wurde nach Andrew Geddes Bain benannt, der 1853 Wellington und das südafrikanische Inland durch den Bainskloof Pass miteinander verbunden hat. Die Cape Mountains sind eine prägende Landschaft und spiegeln sich entsprechend in der Seele der Brennerei wieder.

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Bain’s Tasting 🙂

Hier ist alles in einer Hand – vom mälzen bis zum blenden wird alles in der Brennerei selbst gemacht. Über 150.000 Fässer liegen bereit – und Südafrika hat einen klimatischen Vorteil gegenüber Schottland. Die Whiskys müssen bei weitem nicht so lange lagern. Der Angel’s Share liegt aufgrund der Temperaturen bei 5%. Ein Whisky der in Schottland zehn Jahre lagern muss, ist in Südafrika also schon viel schneller reif.

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Andy Watts (Bain’s) und Scott Martin (Deanston) bei der Arbeit 😉

Bain’s deckt aktuell 70% des Whiskykonsums in Südafrika ab – und der Markt ist voll junger Frauen. Hergestellt aus 100% südafrikanischen gelben Mais, drei Jahre gelagert in first-fill bourbon casks und noch einmal 18 bis 30 Monate in einem zweiten Set first-fill bourbon casks hat der Grain einen sehr milden, weichen und süßen Charakter – und genau das will der Markt. Früher wurden vor allem Alkopops konsumiert. Aktuelle Marktentwicklungen gehen jedoch zu exklusiven Produkten, wie Whisky. Nur die geschmackliche Vorliebe ist geblieben – süß. Und das deckt Bain’s sehr gut ab. Gebrannt wird auf copper pot stills und coffey stills, die eine durchgehende Produktion ermöglichen. Außerdem wird in der Brennerei ein sogenannter continuous spirit safe flow genutzt, es wird also nicht in heart und faints unterschieden.

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Andy hat uns die Entwicklung von Bain’s mitgebracht – verkörpert durch vier Vorstufen des Single Grains.

 

Als erstes hatten wir Bain’s New Make Grain Spirit im Glas. Es ist schon beeindruckend, früher konnte man Spirit kaum trinken (auch ich habe das noch mitbekommen :D) und heute könnten die meisten Spirits, die ja selbst noch nicht mal richtiger Whisky sind, eigene Kornabfüllungen sein. Der Spirit verkörpert die geschmackliche Grundlage des Whisky, vor dem Einfluss des Fass. Wir haben ihn auf 40%vol. verdünnt getrunken – und hatten jetzt bereits feine Noten von Ananas und tropischen Früchten in der Nase. Hinzu kam eine gewisse süßliche Säure und für mich hatte er etwas von einem Bitter.

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Tasting Note Bain’s New Make Grain Spirit

Als nächstes hatten wir einen drei Jahre alten Grain, der im third und fourth fill Weißweinfass gelagert hat. Diese Ausbaustufe ist noch nicht super, hat aber schon etwas mehr süße und leichte Holznoten. Er wird hauptsächlich zum Blenden verwendet.

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Tasting Note 3 yo. Bain’s Grain White Wine Cask

Der nächste Whisky war dann schon eine ganz andere Hausnummer. Drei Jahre hat er in seinen Fässern gelegen und ich hatte Vanille, Holz, Toffee, Kokos (mein erster Gedanke war Urlaub, Strand und Sonnencreme :D) und ein bisschen Weihnachten, vielleicht Lebkuchen im Glas.

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Tasting Note Bain’s 3 yo.

Und zum Schluss gab es natürlich das fertige Endprodukt, den Bain’s Single Grain. Die dunkle goldene Farbe passt perfekt zum intensiven Geschmack. Ich war wirklich überrascht, stand ich allem was nicht schottisch ist und Grain Whisky dazu doch immer sehr skeptisch gegenüber. Intensiv, holzig und trotzdem mild zugleich. Viel Vanille, Toffee und jetzt auch wirklich meine Lebkuchen 😀

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Tasting Note Bain’s Single Grain Whisky

Insgesamt war ich wirklich beeindruckt und habe wieder einmal festgestellt, man sollte Whisky nicht aufgrund seiner Herkunft und Herstellung vorschnell verurteilen. Natürlich ist Grain nicht Jedermanns Geschmack, aber bei weitem nicht so schlecht wie sein Ruf.

Und an dieser Stelle möchte ich nochmal Andy zitieren:

We may not become your favorite dram […] but here will be the time of day you want to drink Bain’s.

Deanston

Nach einer kurzen Snackpause ging es weiter mit Deanston. Die Brennerei in den Südhighlands hat uns Scott Martin, internationaler Brand Ambassador von Deanston, vorgestellt. Die Brennerei wurde 1785 ursprünglich als Baumwollspinnerei von Richard Arkwright gebaut. In den 1960er Jahren wurde die Anlage dann umgebaut und produziert seitdem Whisky 🙂

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Ready for Deanston!

Der alte Lagerkeller der Spinnerei wurde übrigens zum warehouse umfunktioniert – und auch wenn ich bisher nur Bilder gesehen habe kann ich mir durchaus vorstellen wie beeindruckend dieses Gewölbe sein muss. Deanston legt sehr viel wert auf die eigene Community – sie, der Fluss Teith, das rein schottische Getreide und die dicken Mauern der Spinnerei machen den Whisky zu dem was er heute ist.

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Drei Whiskys aus der Deanston Range die wir probiert haben.

Der Deanston Virgin Oak offenbart sehr intensive und tiefe Holznoten, umspielt von leichter und milder Süße. Dennoch merkt man, der ist noch etwas jung und unverblümt 😉

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Tasting Note Deanston Virgin Oak

Der 12 Jahre alte Deanston hat da schon ein bisschen mehr zu bieten. Mir kamen junges, frisches Gras, Malz, Holz und Muskat unter die Nase.

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Tasting Note Deanston 12 yo.

Der Deanston 15 Jahre Organic war mein Top-Favorit an dem Abend! Malzig, ein wenig bitter und holzig, gepaart mit fruchtigen Birnen oder Pflaumen-Aromen. Ein Traum!

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Tasting Note Deanston 15 yo. Organic

Von dem Deanston 18 Jahre war ich ein wenig enttäuscht. Ich fand ihn dem 12 Jahre alten sehr ähnlich, aber die Holznoten waren intensiver, tiefer, bitterer.

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Tasting Note Deanston 18 yo.

Der Deanston 20 Jahre hat ein wenig mehr Bumms mit seinen 55,3%vol. Mir kam als erstes die Farbe Rot in den Kopf, eine Mischung aus Pflaume, Rost und leckerem Keller-Muff. Bei diesem Whisky hatte ich das Gefühl in den Kellergewölben der Deanston-Mill zu stehen 😉

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Tasting Note Deanston 20 yo.

Der Deanston 14 Jahre Spanish Oak Finish ist ein Distillerie Exklusive. Mit 57,5%vol. eine ordentliche Trinkstärke – mit sehr leckeren roten Noten von Wein, Orangen und Zimt. Im Abgang ist er sehr trocken, wie ein kräftiger Rotwein.

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Tasting Note Deanston 14 yo. Spanish Oak

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Quelle: Deanston

Änderungen, Irrtümer und Schreibfehler vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit. Freiwillig eingefügte Werbung, da Namensnennung.

taste. Whisky und Genuss Messe Dresden 2018

Bereits zum zweiten Mal öffnete am letzten Septemberwochenende das Erlwein-Forum in Dresden seine Pforten zur Whisky und Genuss Messe.

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Das Erlwein-Capitol in Dresden. Eine wunderschöne Location für die Messe! Quelle: http://blog.eetmee.de/events/die-genusswelten-dresden/

Ich war natürlich mit dabei, durfte ich doch den eigens für die Messe kreierten Whisky verkosten!

Am Freitag ging es für mich erstmal mit einem ziemliche Hammer los. Ein fast schon legendäres Ardbeg-Tasting hat mich mit ganzen neun Drams wirklich fast aus den Latschen gekippt. (Bevor jetzt jedem die Leber aufschreit, ich habe immer nur genippt und den Rest schön brav in Sampleflaschen abgefüllt und mit nach Hause genommen.)

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Ready for tasting!

Und da muss ich auch schon zum ersten Highlight abschweifen, dass ich hervorheben möchte. Klar, ich war noch nicht auf allzu vielen Messen. Dennoch hat es mich begeistert, dass auf der Messe für schlappe 50 Cent Sampleflaschen gekauft werden konnten! Fand ich super toll.

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Also zurück zum Tasting. Verkostet haben wir uns durch einen kleinen Teil der Ardbeg Range (klein, zählt man alle Ardbeg-Day anlässlichen Abfüllungen dazu!) und sogar einen Ardbeg New Make konnten wir probieren. Begleitet von Thomas Zilm leidenschaftlicher Darstellung offenbarten sich mir oftmals nur dezente, schwer zu erkennende, aber oft genug auch große und mehrdimensionale Unterschiede im Geschmack. Mitgenommen habe ich viel, von Riechübungen zum besseren erkennen der Kopfnoten bis hin zu meinem Lieblings-Ardbeg (ach ja – und gleich zu Beginn einen Anpfiff als Klugscheißer, weil ich gleich vorweg die sauren Zitrusnoten im Ardbeg erkannt und vollkommen abtrünnig als Smoked Sour bezeichnet habe :D).

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Mein liebster Ardbeg ist und bleibt der Corryvreckan!

Am Sonntag war ich dann nochmal da – mit Familie und den ganzen Tag 🙂 Aufgrund der hohen Dram-Zahl am Freitag konnte ich entsprechend jetzt erst meine geschmackliche Horizont-Erweiterung in Angriff nehmen.

Besonders haben dabei folgende Whiskys für mich herausgestochen:

Talisker 8 Jahre – ja, ja ich weiß. Nicht die auch noch. Naja, doch. Klar ist der 8 Jahre alte Talisker, eine Sonderabfüllung von der Insel Skye gerade in aller Munde, anders würde sich ein Produkt ja aber auch nicht verkaufen oder? Und dieser Whisky hat es in sich. Eine Fassstärke mit allem was Talisker zu bieten hat – und noch etwas mehr. Ich war total begeistert und habe mir dann schnell noch die letzten 4cl als Sample gesichert. Hier loht sich ein Kauf meiner Meinung nach auf jeden Fall.

Kilchoman Cask Strength – bei Scotland and Malts am Stand. Und der zweite Whisky an dem Tag in den ich mich verknallt habe. Wow! Ich hatte Kilchoman bis dato nicht so auf dem Schirm, nur den Bramble Likör habe ich daheim stehen. Aber man, ich bin dabei 😀 Super leckerer Islay Whisky mit viel Herz und Leidenschaft gebrannt. Ich kann versprechen, ab jetzt kommt öfter was von Kilchoman in mein Glas!

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Kilchoman! Was sagt ihr – top oder flop?

Wolfburn Langskip – auch bei Scotland and Malts am Stand. Ich als Wolfburn-Fan der zweiten Stunde muss natürlich die neue Abfüllung probieren. Der Langskip ist die vierte dauerhafte Abfüllung der Thurso-Brennerei und macht die Standard-Range damit komplett. Kein rauchiger, aber ein typischer Wolfburn. Ich muss zugeben, nicht mein Lieblingswolfburn, aber der Name passt. Man hat ihn durchaus lange auf der Zunge – und er ergänzt das Portfolio aus Northland, Aurora und Morven perfekt. Trotzdem, mein Favorit bleibt der N°128! 🙂

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Kirkwall Bay – habe ich bei Morrison & Mackay am Stand probiert und war echt begeistert. Natürlich, offiziell wissen wir nur, dass es sich um einen Orkney Whisky handelt, unabhängig abgefüllt. Nun gibt es aber nur zwei Brennereien auf Orkney – und eine davon gibt nie oder nur sehr sehr selten Fässer her. Entsprechend ging ich mit einer bestimmten geschmacklichen Erwartung an das Glas und wurde vollkommen überrascht. Er passt nicht in das typische Profil der Brennerei, hebt aber dennoch die typischen Noten mit hervor. Eine top Ergänzung zum geschmacklichen Repertoire wie ich finde. Den großen Bruder des Kirkwall Bay habe ich übrigens vor nicht all zu langer Zeit für euch im Glas gehabt:

Gilors peated Single Malt Whisky – ein fünf Jahre alter deutscher Whisky, der mit schottischem, getorften Malz gebrannt und in ex-bourbon casks gelagert wurde. Mit nur 336 Flaschen ein sehr kleines Batch, was für deutschen Whisky aber nicht unbedingt ungewöhnlich ist. Einer meiner Highlight-Whiskys, definitiv. Ich schwanke zwischen frischem, leichtem Rauch, leichtem Fudge und intensiven Tannen-Zirbe-Noten!

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Gilors peated Single Malt Whisky

Macallan 12 Jahre – ist mir aufgefallen, weil er nicht aufgefallen ist. Ich wollte unbedingt Macallan probieren. Der Whisky wird unglaublich gehyped und ich möchte zum einen verstehen wieso und mir zum anderen eine eigene Meinung darüber bilden. Bekannt als der James Bond-Whisky habe ich einiges (vielleicht auch zu viel) erwartet. Er hat mir geschmeckt – so war es nicht – aber das war’s dann eben auch schon. Da habe ich Whiskys im selben Geschmackstil getrunken, die mich mehr beeindruckt haben. Vielleicht war der 12 Jahre alte Macallan auch ein schwacher Einstieg, dennoch schließe ich vorerst, dass der Preis mehr durch den Hype als den außergewöhnlichen Geschmack gefüttert wird. Naja, wollen wir nicht vorschnell urteilen. Macallan bleibt weiter auf meinem Radar, aber eine erste Meinung konnte ich mir bilden.

Fujikai 10 Jahre  – der wohl verschrieenste Whisky der Welt. »Wehrmachtsdiesel«, »Hydrauliköl«, »gekochter Kohl«. So könnte man das Spielchen weitertreiben, bei keinem Whisky haben sich die Verkoster so viel Kreativität in der Geschmacksbeschreibung bedient. Jetzt wo ich ihn probiert habe (und ich stehe wirklich auf geschmacklich ausgefallene Sachen!) kann ich sagen, naja. Ich verstehe warum viele den Whisky nicht mögen. Ich persönliche sage mal so, es ist kein herausragender Whisky (für das Preis-Leistungsverhältnis gibt es von mir glatte 0 Punkte), aber ich hatte schon schlimmeres. Ich habe ihn ausgetrunken. Man erahnt wo der Whisky hin sollte, welchen Weg er gehen sollte – nur ist er irgendwie nicht an seinem Ziel angekommen.

Ailsa Bay – habe ich ebenfalls am Stand der Tasting Crew probiert und bin hin und weg! Total verliebt. Einfach der Hammer. Die Ailsa Bay und die Brennerei liegen im Südwesten von Schottland, noch südlicher als Islay. Und besonders cool, der Flaschendeckel ist ein echtes Unikat, besetzt mit einem jeweils eigens für diese eine Flasche geschliffenen Stein aus der Ailsa Bay.

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Total verliebt in Ailsa Bay!

Aber natürlich haben wir in Dresden keine reine Whiskymesse. Es geht um Whisky und Genuss 😉 Entsprechend viele Sachen konnte man abseits der edlen Tropfen entdecken. Hier meine persönlichen Highlights für euch:

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Fudge ME

Yummi! Eins kann ich euch sagen: ICH LIEBE FUDGE! Verdammt es gibt nichts geileres als ein Stück salziges Karamell, dass meinen Gaumen direkt in den Genusshimmel portaliert. Natürlich mussten wir zuschlagen, bei der riesigen Auswahl …

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Pure Fudge love 😀

Die Holzbirne

Die Jungs sind echt ein paar helle Leuchten 😉 Was macht man nach dem leider endlichen Genuss mit den leeren Whiskyflaschen? Ich habe schon viele kreative Sachen gesehen – aber das toppt wirklich einiges. Warum nicht einen feschen Lampenschirm auf das Lieblings-Altglas schrauben? Die Holzbirne macht’s. Und dieses Jahr hatten sie sogar noch was ganz neues dabei: Die Lampe zum drauß‘ trinken – natürlich noch etwas teuer, aber was soll man auch erwarten, ist schließlich eine Spezialanfertigung vom Glasbläser, also auch noch 100% handmade. Wie alles in dem Laden übrigens.

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Böttcherei Götze

Das nenne ich mal Handwerk mit Tradition. Bereits seit 1889 liegt das Böttcherhandwerk in der Familie, das muss man auch erstmal schaffen. Ich bin ja sowieso Fan von Handwerk aus der Region. Besonders beeindruckt hat mich das historische Fass – aus der dritte Generation der Böttcher. In dem Fass gibt es mehrere Kammern und Hähne, Ein- und Ausgänge. Und Wein keltern sie natürlich auch noch …

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Verband deutscher Whiskybrenner

Am Stand des Verbands deutscher Whiskybrenner habe ich Petra getroffen. Sie war in der Woche nach mir bei Whiskyjason im Livestream und ich habe mich unheimlich gefreut sie zu treffen! Frauen auf dieser Seite der Whiskybranche sind dann doch immer noch ein bisschen selten. Und natürlich hatte sie auch gleich den perfekten Whisky für mich – Gilors peated von der Brennerei Heinrich – ein rauchiger, deutscher Whisky mit einem sehr markanten Geschmack. mir persönlich hat er richtig gut gefallen. Allgemein finde ich, dass deutscher Whisky immer besser wird. Auch wenn ich noch nicht lange dabei bin konnte ich diese Entwicklung mit nachvollziehen. Der Verband ist übrigens eine freiwillige Sache, weswegen bei weitem noch nicht alle deutschen Whiskybrennereien erfasst sind. Aber ich finde es ist eine gute Sache. Ziel ist es, das Image und die Bekanntheit von deutschem Whisky nachhaltig zu verändern und da bin auch ich als Scotch-Liebhaber voll dabei!

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Ich habe Petra Milde getroffen 🙂

 

Änderungen, Irrtümer und Schreibfehler vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit. Freiwillig eingefügte Werbung, da Namensnennung.

Der Bond-Abend: StudioBar Dresden

Studiobar Dresden

Freitagabend, 21 Uhr, Dresden-Neustadt.

Der Eingang zur StudioBar ist nicht leicht zu finden, nur ein kleines, dunkles Schild an der Tür weist darauf hin, dass über dem vinBistro noch etwas ist. Hat man die Tür einmal gefunden, geht es durch einen schmalen Gang in den hinteren Teil des Restaurants und eine enge Wendeltreppe hinauf. Schon steht man im obersten Stock vor einer roten Tür mit einem Bullauge in der Mitte. Naja, bis jetzt eher Kreuzfahrtschiff als Studio.

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Hinter der Tür liegt ein kleiner Raum, kaum größer als ein Wohnzimmer. Es ist recht dunkel und überall wo Platz ist stehen hohe Tische, Barhocker und Sitzbänken an den Wänden. Alles ist in rot und schwarz getaucht und hat den Charme eines 80er Jahre Bonds.

Und in der Mitte ist die Bar. Und was für eine Bar. Ein rundes Podest auf dem allerlei bunte Flaschen stehen, fast wie der Champagnerturm in The Great Gatsby. Die Theke ist kreisförmig um den Flaschenturm angerichtet und in einem schmalen Gang sind zwei Barkeeper in Hemd, Weste und Fliege – auch wieder ein Punkt für den Bond-Look – eifrig dabei verschiedenste Drinks zu mischen.

Studiobar Dresden
Dieses Foto von studioBar – Cocktailbar wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt: https://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/11/84/47/25/runder-bartresen.jpg

Wir haben uns einen Platz in der hinteren Ecke der Bar gesucht. Erst beim hinsetzten fällt mir auf, dass über der schmalen Fensterreihe Regale angebracht sind – und die stehen voll mit Whisk(e)y. Sortiert nach Region, Marke und Alter *-* Schnell gibt uns einer der Bond-Barkeeper zwei Karten, eine Cocktailkarte und eine Whisk(e)ykarte. (Sie haben eine eigene Whisk(e)ykarte!)

Was ich trinke? Nun ja für mich keine schwere Entscheidung. Erst ein Cocktail, dann ein Whisky – aber bis ich durch die Karte durch bin dauert es lockere zehn Minuten. Die Auswahl ist riesig – und die Preise haben es in sich. 10€ für einen Cocktail zahlt man etwa, aber das lohnt sich auch. Ich meine es gibt allein 5 verschiedene Martinis zur Auswahl (*hust* Bond …). Und wenn man nicht so wirklich weiß, was man angesichts dieser riesigen Auswahl nehmen soll, steht einem ein netter und kompetenter Bond-Barkeeper zur Seite und berät dich.

Smoked Sour
Smoked Sour

Ich entscheide mich wie immer für einen Whisky Sour. Bäh voll langweilig, die Auswahl ist doch so groß … Naja es gibt hier keinen gewöhnlichen Whisky Sour. Es gibt zum Beispiel den Holzfäller Sour – mit Maker’s Mark und Ahorn Sirup. Bestimmt lecker, aber mich hat eine ganz andere Variante dieses Cocktails getriggert: Smoked Sour. (na ratet mal was da für ein Whisky drin war …) Und ich war mehr als beeindruckt. Der Drink war der Hammer! Danach gab es noch einen 18 yo. Caol Ila als Schmankerl oben drauf. Wie mir der geschmeckt hat, könnt ihr hier lesen: taste. Caol Ila 18 yo. Klar der Abend hatte es ganz schön in sich was das Geld angeht, aber das Flair, die Bedienung und die Qualität der Drinks macht das alles wieder wett.

Mein Fazit – hier solltest du dich zu Gunsten deines Geldbeutels nicht besaufen. Aber es ist der ideale Ort für einen gepflegten Drink in filmreifem Flair.

Meine Top-Drink Empfehlung (bisher!): Smoked Sour. Der ideale Whisky-Cocktail für die Rauchheads unter euch!

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Lou’s Roadtrip

Wir haben im letzten Jahr einen ganz besonderen Roadtrip gemacht! Wer? Ich und Jay! Wo? Natürlich in Schottland.

Einige wissen vielleicht, ich habe im letzten Jahr drei Monate in Schottland leben können. Dabei habe ich in einer Wanderreitstation gearbeitet. Dort haben wir Reittouren in der Umgebung und Mehrtagesritte durch ganz Schottland angeboten. Für mich war es die Erfüllung des kleine-Mädchen-Traumes.

Ich – die Weite – und 35 Pferde.

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Es war viel harte Arbeit, denn zu solchen Tieren gehört neben reiten und putzen auch das Füttern – und Poo. Jede Menge Poo. Trotzdem hatte ich in dieser Zeit auch ein paar Tage frei und konnte die für meine zweite Leidenschaft nutzen – Whisky. Ich habe in der Zeit einige Brennereien besucht, unter anderem Glenmorangie, Clynelish und Wolfburn.

In der letzten Woche meines Aufenthalts kam mich dann meine beste Freundin Jay besuchen – und hat mir gleich noch einen Herzenswunsch erfüllt. Wir sind nach Islay gepilgert. Und ja, man kann es wirklich pilgern nennen. Wir waren eine Woche unterwegs und haben in der Zeit sieben Brennereien besucht.

Tag 1

Wir sind in Tain an der schottischen Ostküste losgefahren, erstmal mit dem Bus runter nach Inverness, den Mietwagen abholen. Schnell die Taschen ins Auto geschmissen sind wir mit Gi-Gi – unserem Auto –  losgefahren, in Richtung Fort William. Ich muss dazu sagen, es war das erste Mal dass ich in einem linkslenkenden Schaltauto gefahren bin – ich hatte leichte Panik am Anfang. 😀

Das ist erstmal ein ziemlich weiter Weg, aber wir hatten bereits die Fähre nach Islay gebucht und hatten so ein wenig Zeitdruck. Trotzdem haben wir es uns nicht nehmen lassen am Loch Ness einen kleinen Zwischenstopp einzulegen und die Landschaft der Highlands zu genießen.

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Blick in die Highlands

Bis wir in Fort William angekommen sind, war es dann schon dunkel und wir hatten nicht mehr viel Chance uns einen Parkplatz zu suchen. Also haben wir kurzer Hand eine große Parkbucht kurz hinter der Stadt genutzt. Auch wenn dir damit direkt an der A82 geschlafen haben, ging es für die erste Nacht.

Unser köstliches Arme Tramper-Abendessen hat ein wenig gedauert, wir haben extra in Inverness eine Gaskartusche zum kochen gekauft – nur leider die Falsche. Der Aufsatz hat einfach nicht gepasst. Also nochmal fix zurück und in Fort William kurz vor Ladenschluss die richtige gekauft. Der Verkäufer fand das ziemlich lustig, das scheint wohl öfters vorzukommen. Falls ihr in Schottland Kartuschen kauft – nehmt den Aufsatz mit in den Laden und guckt ganz genau hin!)

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Arme Tramper – das perfekte Highland-Dinner 😉

Tag 2

Etwas zerknautscht begannen wir unseren Tag – mit Frühstück an der Schnellstraße. Es gibt besseres, aber wir waren ja auch nicht auf einem Luxus-Urlaub, sondern einer Pilgerreise! 😉 Auch am zweiten Tag haben wir wieder viel Kilometer gemacht, bis Mittags mussten wir Kennacraig erreicht haben, um mit der Fähre nach Port Askaig übersetzen zu können.

Sicher hätten wir auch einen Hafen weiter nördlich wählen können, aber wir waren aufgrund der Jahreszeit (Ende November) und unseren Geldmitteln doch recht eingeschränkt. Also schnell hinter mit dem Kaffee und weiter, direkt bis nach Kennacraig. Schneller als gedacht standen wir auf der Fähre (ich hatte leichte Panik beim befahren, aber wie sich später herausstellen sollte bin ich ein echtes Talent beim auf die Fähre fahren.)

Die Überfahrt ging schnell und wir konnten unsere Kraftreserven mit Kaffee und Instantnudeln auffüllen 😉 Denn kaum waren wir runter, ging der erste Brennerei-Marathon los. Wir wollten eigentlich direkt nach Port Ellen fahren, um am nächsten Tag die dortigen Brennereien abzuklappern, da tauchte am Straßenrand ein Schild auf.

Bunnahabhain – rechts. Kurz überlegt und wir sind abgebogen, eine eng gewundene einspurige Straße entlang. Vor uns fuhr ein riesiger Laster, der etwas großes, kupferfarbenes geladen hatte. Wie sich herausgestellt hat – die Brennblasen für Ardnahoe, eine neue Brennerei die noch 2018 auf Islay eröffnet werden soll! Nachdem wir uns bei Bunnahabhain einen „Eröffnungs-Dram“ gegönnt hatten, ging es gleich weiter zu Bowmore, auch dieser Brennerei noch einen kurzen Besuch abstatten.

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Ardnahoe Distillery – geplante Eröffnung 2018

Natürlich sind wir im örtlichen Buchladen hängen geblieben … und erst spät in Port Ellen gestrandet. Geschlafen haben wir auf einem Parkplatz direkt am Meer und uns diesmal sogar einen echten Pub-Besuch gegönnt *-*

Tag 3

Mit dem Sonnenaufgang ging es aus den Federn. Der Kaffee am Strand hat uns schnell wach gemacht und ganz aufgeregt sind wir losgefahren.

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Good Morning Port Ellen

Heute war der große Tag. Endlich sollte ich die heiligen Hallen meiner liebsten Brennerei besuchen. Laphroaig.

Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und auch unsere Tour Guide schwärmte, dass dies der beste Tag des ganzen Jahres war. Gleich die erste Tour haben wir gebucht – 11 Uhr. Ich kann jedem nur wärmstens ans Herz legen, wenn ihr mal da runter kommen solltet, macht die Führung bei Laphroaig. Ihr bekommt alles zu sehen, vom malting floor und dem Torffeuer, über mash tuns, Brennblasen, den spirit safe und das Lagerhaus bis hin zu einem unglaublichen Blick über die kleine weiße Bucht 😉

Das Bezahlsystem für die Drams am Ende der Führung ist genauso genial – man bekommt (nebst Glas und Glashalterband) eine bestimmte Anzahl an Klammern, die man dann an der Bar einlösen kann: ein 10 Jahre alter Laphroaig kostet eine Klammer, ein Lore drei Klammern. Und man kann in entspannter und gemütlicher Atmosphäre sein Tasting genießen!

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Danach ging es weiter auf dem Whiskywanderweg. Der beginnt bei Laphroaig und verbindet die Brennerei über einen breit ausgebauten Fußweg (besser als die Straße!) mit Lagavulin und Ardbeg. Wir sind also losgewandert und knappe 20 Minuten später mussten wir direkt die nächste Pause einlegen – im legendären Tasting Room von Lagavulin. Ich mache kein Geheimnis draus, so richtig auf den Lagavulin bin ich noch nicht gekommen. Viel probiert habe ich aber auch noch nicht. Nicht dass der Lagavulin 16 yo. und die Distillers Edition nicht lecker wären – aber bisher fehlt mir noch das gewisse Etwas.

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Also sind wir fix weiter, wieder eine knappe halbe Stunde später standen wir vor Ardbeg. Der Tasting Room hat mich hier sehr an eine dieser mittelalterlichen Burgen erinnert – hoch, weißer Stein innen und mit hölzernem Dach. Es hatte fast etwas von einer Kathedrale 😉 Und auch hier haben wir uns nochmal einen Dram gegönnt – Jay einen Perpetuum und ich einen Corryvreckan, beide top! 🙂

Als wir raus kamen neigte sich die Sonne dann schon fleißig dem Horizont entgegen und wir mussten ja noch zurück auf die Fähre. Wir hatten also leider nicht genug Zeit um in jeder Brennerei eine Führung zu machen oder noch zum Kildalton Cross zu laufen (aber bei meinem nächsten Besuch auf Islay plane ich definitiv mehr Zeit dafür ein, schließlich muss ich auch noch Bruichladdich, Kilchoman und Caol Ila besuchen!).

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Der Whisky Trail

Nach einem kleinen „Ausnüchterungs“-Picknick auf halber Strecke (Shortbread und Cathedral Cheese) ging es dann auch schon wieder auf die Fähre. Da wir erst im Dunkeln von Board fahren konnten, beschlossen wir direkt auf dem Fährparkplatz zu nächtigen, schön am Rand umgeben von ein paar Bäumchen gab es ein reichliches und leckeres Arme Tramper-Abendessen 🙂

Tag 4

Diese Nacht war wirklich kalt! Aufgewacht mit roter Nase, viel es uns sichtlich schwer aus den warmen Schlafsäcken zu kriechen. Aber die Lust auf Kaffee war stärker und hat uns letztlich aus den Betten gezogen. Aufgewaschen haben wir ganz survival-mäßig in einer gefrorenen Pfütze. Dann ging es wieder ab in Richtung Norden, über Oban nach Glenfinnian.

In Oban haben wir einen kurzen Zwischenstopp eingelegt und natürlich die Brennerei abgeklappert. War gar nicht so einfach dort hinzukommen, quer durch das Einbahstraßenwirrwar, denn die Brennerei steht schon ziemlich lange wo sie steht und die Stadt ist komplett drumherum gewachsen.

Und als hätte ich nicht schon genug Stress mit der Fahrerei hat mich die liebe Jay noch den Berg raufgejagt, enge, steile Straßen und Gegenverkehr. Klasse 😀 Gelohnt hat es sich trotzdem. Vom McCaig’s Tower aus hatten wir einen genialen Blick über Oban und den Oban Firth. Nach dieser kurzen Verschnaufpause ging es dann auch weiter bis nach Glenfinnian, ein ganz besonderes Highlight für Jay.

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Wir waren in Hogwarts. Unten am See haben wir das Schloss auf den Felsen und Dumbeldores Grabinsel bewundert und uns natürlich zur eigentlichen Bedeutung des Ortes belesen: Das Glenfinnian Monument. Es wurde zu Ehren der Schotten errichtet, die im dritten Jacobiteaufstand starben. Am Visitorcenter kann man außerdem auf einen Hüfel steigen.

Oben angekommen hat man zu einer Seite einen wunderschönen Blick über den See, zur anderen kann man das Glenfinnian Viaduct sehen, eine steinerne Eisenbahnbrücke, die 1897-1898 errichtet wurde und über die der Hogwarts-Express zwischen Fort William und Mallaig rollt 😉

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Im Visitor Center hat uns dann ein Einheimischer noch verraten, dass es die Straße runter nochmal ein beeindruckendes Viaduct gibt, das sich aber nie jemand anschaut, weil die ganzen Touribusse immer nur wegen „diesem blöden Harry Potter Film hierher kommen“ – ja wir eigentlich auch …

Also haben wir uns seinen Rat zu Herzen genommen und sind die Straße noch weiter runter gefahren. Die Brücke war schnell gefunden, sie ist zwar etwas kleiner als das Glenfinnian Viaduct, aber dafür steht es direkt am Loch Nan Uamh. Das war schon beeindruckend (Für alle die es suchen wollen, fahrt von Glenfinnian einfach die A830 weiter nach Mallaig, kurz vor The Prince’s Cairn kommt die Brücke).

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Das Viaduct am Meer

Während einer kurzen Regenpause haben wir uns im Auto die Karte angeguckt und überlegt, wie wir am besten zu unserem nächsten Ziel gelangen, Eilean Donan Castle. Eigentlich ist es gar nicht weit weg, aber zwischen uns lag der Loch Nevis und der Loch Hourn über die keine Brücke oder Küstenstraße herumführte. Der Weg zurück war erstaunlich weit, da haben wir kurzerhand Google gefragt, welchen Weg es uns vorschlägt – über die Isle of Skye.

Da konnten wir einfach nicht widerstehen. Also sind wir kurzerhand nach Mallaig gefahren, in der Hoffnung noch eine Fähre zu erwischen. Und das haben wir. Die war zwar quasi schon am Ablegen, aber Jay konnte die Ticketverkäuferin überzeugen noch kurz auf uns zu warten. Die Schotten sind was sowas angeht halt einfach die Ruhe in Person 😉

Die Fähre von Mallaig nach Armadale ist übrigens die einzige mit einem Parkservice in Schottland. Um auf Skye vorwärts von der Fähre zu fahren, muss in Mallaig rückwärts eingeparkt werden. Da wir so spät waren, konnten wir dieses Service allerdings nicht mehr nutzen, also war wieder mein nicht vorhandenes Autofahr-Talent gefragt: Rückwärts auf die Fähre, in nur einem Zug. Ich bin zwar fast kollabiert, aber Jay und die Fährarbeiter meinten ich hätte das gut gemacht 😉

Auf der Fähre waren wir dann natürlich total aufgeregt, weil das alles so spontan noch geklappt hatte und wir beide ganz große Skye-Fans sind. Viel gesehen haben wir an dem Abend aber nicht mehr, es war dann einfach schon zu dunkel. Also haben wir uns zwischen Loch Sligachan und Mount Glamaig einen Schlafplatz gesucht. Wie schön der war, haben wir erst am nächsten Morgen gesehen.

Tag 5

Der Blick über den Loch Sligachan war beeindruckend! Wir waren so beeindruckt, dass wir auf dem Weg nach Talisker kurz hinter Sligachan falsch abgebogen sind. Ich hatte mich schon etwas gewundert, Talisker liegt ja direkt an der Küste und wir fuhren immer weiter bergauf. Und auf einmal standen wir am Bruach na Frìthe. Ohne groß nachzudenken (und ohne Karte und Empfang) sind wir dann noch bis Glenbrittle gefahren – tolle Aussicht übrigens 😀

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Auf dem Rückweg haben wir dann aber richtig abgebogen – und haben unsere wohl verdiente Führung bei Talisker bekommen. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und musste eine Distiller’s Edition mitnehmen 😉 Dann sind wir noch rüber über die Skye Bridge und haben uns im Abendschein das Eilean Donan Castle angesehen. Die Nacht verbrachten wir dann tief in den Highlands im Land von Wester Ross 😉

Tag 6

Und schon war unser letzter Tag. Morgen sollte es für mich nach drei Monaten Schottland wieder nach Hause gehen – und als krönenden Abschluss dachten wir uns, machen wir noch einen Ausritt. Gesagt getan: Ziemlich früh ging es wieder zurück in Richtung Tain, gegen Mittag sind wir angekommen und gleich rüber in den Stall gelaufen. Nach ein bisschen Arbeit haben wir uns dann unsere Pferde gesucht und sind mit Vicky, einer deutschen Workaway mit der ich viel tolle Zeit verbringen durfte – losgeritten.

Jay saß auf Brodi, einer klassischen Highland Pony Stute, verlässlich und sicher. Vicky hatte sich Corrie geschnappt, eine zottelige Version einer Connemara Stute und ich saß auf meinem Schatz, Poppy (Irish Cop). Gemeinsam ging es los, erst langsam und gemütlich Schritt und Trab. Nach einer Testrunde Galopp durch Wald und Dünen ging es an den Strand, dem Sonnenuntergang entgegen. Auf dem Heimweg haben wir dann nochmal einen kleinen Sprint eingelegt.

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Was für ein Abschluss für eine unglaubliche Zeit.

Schottland ist ein raues und wildes Land, aber hat einen seine Schönheit erst einmal berührt, lässt sie einen nicht mehr los.

*edit 08.08.2018

Und hier habt ihr nochmal die ganze Route im Überblick. Ihr wollt noch mehr Details über unsere Route, Ausrüstung, Stops oder Schlafplätze? Schreibt mir einfach!